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Sind Sportwetten legal?

Man müsste schon eine Armada von Marketing-Agenturen beauftragen, um das beschädigte Bild von Sportwetten wieder ins rechte Licht zu rücken. Robert Hoyzer und die Gebrüder Sapina haben den Buchmachern und dem allgemeinen Ansehen von Wettbüros gehörig geschadet. Das Bild der dunklen Hinterzimmer, in denen linke Gestalten kriminelle Machenschaften planen, bekam neue Wahrheit.

Am meisten Schaden tragen in solchen Fällen aber immer die Wettanbieter selbst. Deshalb ist es für sie so wichtig, sich hier an bestimmte Regeln und vor allem offizielle Gesetze zu halten. Doch gerade bei den Gesetzen hapert es in Deutschland noch gewaltig. Wer sich nicht dem staatlichen Toto und Oddset zugehörig fühlt, der wird öffentlich schnell auf die illegale Seite geschoben. Dabei sind per Gesetz private Wettanbieter alles andere als illegal.

Grundsätzlich kann man deshalb sagen: Weder die Wettanbieter, noch diejenigen, die dort Wetten platzieren, verstoßen gegen geltendes Recht. Sinnvoll ist es aber darauf zu achten, dass die Anbieter zumindest über eine EU-Lizenz verfügen. Wenn nicht, ist das dann wirklich alles andere als seriös.

Braucht ein Wettanbieter eine deutsche Lizenz?

Laut deutschem Verfassungsrecht kann keinem Wettanbieter eine fehlende deutsche Lizenz beziehungsweise Erlaubnis zum Vorwurf gemacht werden. Jeder kann eine Wette bei den Anbieter platzieren, die einen Sitz in Deutschland oder innerhalb der EU vorweisen können. Zu den EU-Mitgliedsstaaten zählen England und vor allem Malta. Zudem zählt auch Gibraltar zur EU, da sich eine Spezialregelung im EU-Vertrag befindet.

Sind Sportwetten bei privaten Wettanbietern legal?

Zuerst einmal der Blick auf das, was offiziell nach staatlicher Gesetzeslage geregelt ist. Die staatlichen Anbieter wie Lotto und die Tochter Oddset sind per Gesetz legal. Wer sich jedoch nicht diesem Konzept unterwerfen will, der zählt zu den privaten Wettanbietern.

Wie bereits erwähnt benötigen die privaten Wettanbieter eine gültige EU-Lizenz. Hinzu kommt, dass die Anbieter im sogenannten “Schutzbereich des deutschen Dienstleistungsverkehrs” tätig sind. Was kompliziert klingt, ist der Knackpunkt für private Burchmacher. Der freie Dienstleistungsverkehr, der durch Art. 54 AEUV geregelt ist, wird gegenüber dem deutschen Erlaubnisvorbehalt als höherrangig eingeordnet. Dadurch wird dieser Erlaubnisvorbehalt (nach § 4 des Glücksspielstaatsvertrages) verdrängt. Dies hat wiederum zur Folge, dass Wettanbietern aus dem EU-Ausland das Fehlen einer deutschen Lizenz nicht vorgehalten werden darf.

Was steht denn in der Verbotsnorm des freien Dienstleistungsverkehrs? Dienstleistungserbringer mit Sitz im EU-Ausland werden dadurch ermächtigt, ihre im Ursprungsland erlaubte Dienstleistung auch in den EU-Mitgliedsstaaten auszuüben. Kurz gesagt darf einem Wettanbieter, der in seinem Land legal seiner Arbeit nachgeht, nicht das Fehlen einer deutschen Lizenz zu seinem Nachteil gereichen. Denn EU-Wettanbieter sind unter der Verletzung des Unionrechts vor dem Besitz einer deutschen Erlaubnis ausgeschlossen.

Gibt es illegale Wettarten?

Diese Frage ist insofern interessant, als dass es tatsächlich Einschränkungen gibt. Diese beziehen sich auf Livewetten. Wobei man hier wieder differenzieren muss. Denn folgende Regelung bezieht sich nur auf diejenigen Anbieter, die eine deutsche Lizenz besitzen. Alle anderen, also privaten Buchmacher, müssen sich nicht dieser Regelung unterordnen.

Im bereits erwähnten Glücksspieländerungsstaatsvertrag steht, dass Kombinations- und Einzelwetten erlaubt werden. Jedoch nur dann, wenn sie auch gleichzeitig geregelt wurden. Das bedeutet, dass es kein einfaches “Ja” zu solchen Wettarten geben darf. Es muss auch gesetzlich festgehalten werden, wie das “Ja” zu Einzel- und Kombiwetten zu verstehen ist.

Wieso diese Regelungsvorgabe? Im Grundsatz ist der Ansatz eigentlich einfach zu verstehen. Denn was vom Staat erlaubt wird, sollte niemals Schaden verursachen. Daher soll diese, im übertragenen Sinne “Ja, aber nur wenn”-Regelung vor allem Suchtgefahren vorbeugen.

Im entsprechenden Fall geht es darum, dass Sportwetten während eines laufenden Wettkampfes unzulässig seien. Jedoch sind solche Wetten dann zulässig, wenn man Wetten während des laufenden Sportereignisses auf das Endergebnis platzieren kann. Ausgeschlossen sind wiederum die Wetten, die während eines laufenden Sportereignisses auf einzelne Vorgänge platziert werden würden. Übersetzt bedeutet das: Während einem Spiel darf auf den Sieg einer Mannschaft gesetzt werden. Verboten ist, dass man auch auf beispielsweise den nächsten Torschützen während einem laufenden Spiel setzen darf.

Wie bereits genannt müssen sich aber nur diejenigen dieser Regelung annehmen, die eine deutsche Lizenz besitzen. Der Grund für die gesonderte Regelungsweise ist, dass das Bundesverfassungsgericht die Gesetzeslage für verfassungswidrig erklärt hat, da sie als monopolistisch verstanden wurde. Wenn der Staat eine Monopolstellung bei Sportwetten wünscht, muss er sich konsequent an der Bekämpfung von Wettsucht und Wettleidenschaft halten. Beziehungsweise in anderen Worten, alles dafür tun, dass es nicht soweit kommt. Denn ein Staatsmonopol darf kein Suchtverhalten bedienen und auch nicht verstärken.

Das Bundesverwaltungsgericht hat im Jahr 2010 in mehreren Urteilen bestätigt, dass sich diese Vorgaben nur an die staatlich lizenzierten Buchmacher richtet. Alle anderen seien von der Vorgabe einer gesetzlichen Regelung für Livewetten ausgeschlossen.

Sind Livewetten illegal?

Für private Anbieter sind Livewetten nicht illegal. Denn sie sind nach offiziellem Urteil nicht an die Pflichten anderer Anbieter gebunden, die über eine deutsche Erlaubnis verfügen. Würde Deutschland die Livewetten verbieten wollen, beziehungsweise auch die privaten Sportwettenanbieter an die Verpflichtung der Einhaltung von Einschränkungen binden, müssten sie ein zwingendes Erfordernis nachweisen. Da dies nicht der Fall ist auch in Zukunft eher fraglich sein wird, sind und bleiben Livewetten legal und für jeden zugänglich.

Darf man auf Amateurspiele wetten?

Man darf absolut auf Amateurspiele wetten. Das Problem ist, dass die Kontrollen auf Spielmanipulation im Amateurbereich äußerst schwierig sind. Es gibt bereits einige Sportwettenanbieter, die den Amateurbereich vollständig aus ihrem Portfolio entfernt haben. Wenn man jedoch bei einem Buchmacher auf Jugendligen oder dergleichen wetten kann, sind die Wettmärkte meist begrenzt.

Darf ein Sportler auf sein eigenes Team setzen?

Dies ist von Verband zu Verband unterschiedlich. Im Fußball regelt der DFB, was man als aktiver Spieler darf und was man lieber lassen sollte. So sind beispielsweise Wetten auf Vereine aus der eigenen Liga verboten. Der gleichen Regel unterliegen im übrigen auch alle Vereinsfunktionäre und selbstverständlich auch die Schiedsrichter.

Woher kommt der schlechte Ruf von Sportwetten?

Wie so häufig schaffen es wenige, den Ruf einer ganzen Branche in den sprichwörtlichen Dreck zu ziehen. Im Fall von Sportwetten auf den deutschen Fußball sind Robert Hoyzer und die Sapina Brüder die Schuldigen gewesen. Die drei sind für den deutschen Wettskandal aus dem Jahr 2005 verantwortlich.

Robert Hoyzer war zu der Zeit Bundesligaschiedsrichter und hatte gleichzeitig Kontakte zur kroatischen Mafia. Der Anfangsverdacht konnte durch interne Untersuchungen des DFB bestätigt werden. Ermittler der Polizei untersuchten daraufhin auch das Café King in Berlin-Charlottenburg. Dieses Etablissement wurde zur damaligen Zeit von den Brüdern Sapina geführt.

Der Verdacht gegen Hoyzer wurde bestätigt und er musste eine Gefängnisstrafe antreten. In der Folge wurden sowohl die Kontrollen als auch die Ausbildung von jungen Schiedsrichtern reformiert.

Eine interessante Tatsache ist, dass die Sapinas ihre illegalen Wetten nicht bei privaten Anbietern platzierten. Sie nutzten ausschließlich das staatlich koordinierte Wettmonopol von Oddset. Denn bei den privaten Buchmachern wurden die beiden durch Frühwarnsysteme schnell und effektiv gesperrt.

Was tun Anbieter gegen eventuelle Manipulationen?

Die privaten Anbieter sind vor allem in puncto technischer Weiterentwicklung das Maß aller Dinge. Durch ausgeklügelte Algorithmen lassen sich ohne Weiteres Auffälligkeiten auf den Wettmärkten identifizieren. Werden beispielsweise überaus hohe Beträge auf einen Außenseiter gesetzt, und das auch noch von mehreren Personen gleichzeitig, so wird diese Unregelmäßigkeit erkannt. Je nach Verlauf des Wettkampfes kann man so eine eventuelle Anomalie entdecken und das ganze einer genaueren Überprüfung unterziehen.

Warum ist ein staatliches Monopol in Deutschland wünschenswert?

Ehrliche Gegenfrage: Ist es das wirklich? Das Gerede von der negativen und kriminellen Vereinigung von verschiedenen privaten Buchmachern existiert nur, um das staatliche Monopol stark zu machen. Oder, um genauer zu sein, um die staatlichen Anbieter Lotto und Oddset nicht noch mehr zu schwächen.

Denn die Qualität der Webseiten, des Supports und die Vielzahl der Wettmärkte bereiten den privaten Anbietern einen großen Vorteil. Dennoch wollen die Bundesländer alles gegen die privaten Buchmacher unternehmen. Denn man möchte auf die Einnahmen der staatlichen Anbieter nicht verzichten. Dass man dann aber nicht versucht, mit besseren Angeboten vorzugehen, sondern über den Versuch des Verbots agiert, lässt tief blicken.

Was ist die Schleswig-Holstein-Lizenz?

Der Idee eines europarechtskonformen Wegs hat Schleswig-Holstein in die Tat umgesetzt. Und das muss man dem Bundesland lassen. Denn man wollte nicht am eigentlich gängigen Wettmonopolkonzept in Deutschland festhalten. Nur sind die Reichweiten der Genehmigungen Schleswig-Holsteins umstritten.

Unabhängig davon gilt aber auch hier, dass sich Anbieter ohne eine etwaige Lizenz im Schutzbereich des freien Dienstleistungsverkehrs bewegen. Somit dürfen selbstverständlich auch alle Anbieter ohne eine Lizenz in Schleswig-Holstein Wetten anbieten. Der Vorteil einer solchen Lizenz ist aber offensichtlich. Denn man bekommt diese nur, wenn man Bonität, Einsatz gegen Geldwäsche und einen effektiven Spielerschutz vorweisen kann.

Die Schleswig Holstein Lizenz hat aber auch andere wichtige Bedeutung. Um PayPal für deutsche Spieler anzubieten, verlangt das Unternehmen eine deutsche Lizenz und hier gibt es im Moment nur die Lizenz aus dem hohen Norden.

Welches Image haben Sportwetten heute?

Nachdem nun endlich auch Werbung zum beispiel auf Trikots geduldet wird, gibt es eigentlich keinen Verein mehr, der nicht mit einem privaten Buchmacher kooperiert. Die Bundesländer haben längst eingesehen, dass ein Verbot von privaten Anbietern verfassungswidrig und zudem auch europarechtswidrig ist.

Hinzu kommt, dass die privaten Sportwettenanbieter über ein sehr starkes Konzept verfügen, dass Manipulationen vorbeugt. So ist nicht nur der Verbraucherschutz zufrieden. Es steht so auch jedem, der einmal auf Sport wetten möchte, das perfekte Angebot zur Verfügung.



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