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Peter Stöger – der Gegenentwurf zum Schnellschuss-Trainerwechsel

Was gibt es nicht für viele witzige Bezeichnungen, wenn es um den Trainerposten geht. Die bekannteste ist wahrscheinlich die des Schleudersitzes. Und wenn man sich die Trainerwechsel in der laufenden Saison über die internationalen Topligen hinweg anschaut, dann weiß man auch, woher der Begriff kommt. Ein Blick auf die Bundesliga genügt – auch hier werden teilweise Coaches ausgetauscht, als handele es sich um Einweghandtücher.

Auf der anderen Seite gibt es aber auch die Vereine, die an einer Philosophie festhalten. Das ist bei den Freiburgern der Fall, die mit Streich auf- und absteigen, ohne ihn zu feuern. Der Dank: Letztes Jahr nach dem Wiederaufstieg die Qualifikation für die Europa League. Und ähnlich erfolgreich arbeitet man auch bei den Geißböcken. Gleichwohl muss man sich in letzter Zeit immer wieder gegen Kritiker erwehren, die Coach Stöger längst angezählt haben.

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Die Punkte sprechen gegen Stöger – die Leistung seiner Mannschaft nicht!

Wer den Zustand des 1.FC Köln bewertet, der schaut gerne auf die zurückliegende Bombensaison und die Quali für die Euro League. Aber das ist zu kurz gedacht. Denn der 1.FC Köln durchlief exakt das Trainerkarussell, das man immer wieder auch bei anderen Klubs erkennen kann.

Der Wiener Fußballlehrer ist seit 2013 Chef auf der Bank. Er mauserte sich schnell zum Publikumsliebling. Seine echte, offenherzige und teilweise dem entgegengesetzt sehr stoische Art, brachte Ruhe und Vertrauen in einen Verein, der sich gerne selbst nicht allzu ernst nimmt. Lange Zeit dachte man auch, nach Prinz Poldi kann nicht mehr viel kommen. Denkste!

Erst wurde Ujah entdeckt, dann kam Modeste! Zwei Spitzenstürmer, die in Köln zu Topleistungen aufliefen. Nachdem der Hickhack-Wechsel von Modeste nach China vollzogen war, hoffte man, dass die Millionen reinvestiert werden. Bestenfalls in den nächsten Knaller. Aber das blieb aus!

Stöger versucht, mit Talenten den nächsten Schritt in der Entwicklung zu gehen. Doch noch bleibt ihm das verwehrt. Denn ein waschechter “Einlocher” fehlt vorne drin. Köln erspielt sich wahnsinnig viele Chancen, verwertet sie aber einfach nicht. Die Bilanz nach sieben Bundesligaspielen: Sechs Niederlagen, ein Remis – 2:15 Tore, letzter Tabellenplatz!

Zu Stöger gibt es keine Alternative

Es liegt nicht an der Trainerleistung, dass die Kölner derzeit schon fast grotesk weit abgeschlagen unten drinhängen. Köln Sportchef Schmadtke formulierte das ganze Szenario treffend wie folgt: “Es fehlt nicht viel. Es fehlt etwas, aber das kann man nicht dem Trainer anlasten”.

Was heißt das? Das Team steht in der Pflicht! Osako, Córdoba, Zoller – talentierte Angreifer, die aber allesamt noch nicht ganz die hundertprozentige Torgefahr bewiesen haben. Córdoba kam aus Mainz, sollte der neue Topmann werden. Aber die Entwicklung stockt. Er ist nicht ganz der Typ, der mehr als 10 Tore in einer Saison spielt – zumindest hat er das noch nicht bewiesen.

Relativ kurzfristig wurde deshalb der vereinslose Pizarro verpflichtet. Was beim Blick auf die Fakten (39 Jahre, verletzungsanfällig, nicht für die Europa League spielberechtigt) wie ein panischer Notkauf klingt, ist viel mehr, wenn man genauer schaut. Köln und vor allem Stöger und Schmadtke geht es um ein gutes Klima im Team. Pizarro kann mit seiner Erfahrung bereits viel bewirken, Ruhe ins Spiel bringen, motivieren. Das ist zumindest die Hoffnung, die immer hinter einer spontanen Verpflichtung steckt.

Stuttgart wartet – ist das schon ein Schicksalsspiel?

Am Freitag geht es gegen Aufsteiger VfB. Ein Auswärtsspiel, das eine harte Angelegenheit wird. Köln ist konterstark, hat in der Defensive aber große Probleme. Horn ist häufig entscheidender Rückhalt gewesen, dass es keine hohen Niederlagen gab. Was mit Modeste noch eine große Entlastung war, da in der Sturmspitze ein dauergefährlicher Angreifer wartete, ist heute eher ein laues Lüftchen.

Passend zu der momentan Misere ist Córdoba für das Duell mit den Schwaben wohl nicht dabei. Er leidet an einer Oberschenkelverletzung. Alternativ könnte Pizza von Anfang an auflaufen. Stöger muss vor allem die Umschaltbewegung wieder stabilisieren. Da fehlt im der wahrscheinlich wichtigste, dafür aber gleichzeitig unauffälligste Spieler – Nationalverteidiger Hector!

Durch einen Syndesmosebandriss fehlt er noch bis Ende des Jahres. Und seine dynamische, abgeklärte, sehr verlässliche Spielweise kann keiner im Team ersetzen. Deshalb gibt es wohl immer wieder auch Interesse großer europäischer Vereine. Einen typisch deutschen Spielkoordinator, der unaufgeregt und mit viel übersicht kickt – den will jeder.

Gegen die Stuttgarter müssen nun die ran, die sich normalerweise hinter den großen Namen bei den Kölnern verstecken. Bittencourt, Jojic und der engagierte, aber oft glücklose Rausch – die müssen unbedingt das reißen, was es braucht, um Punkte zu erzwingen!



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